Allgemein, Kurzgeschichten

Und an welchem Tag wurden sie verrückt ?

Koi-Hai 11

Es war Herbst, die Sonne war lange nicht mehr so warm wie die Tage zuvor, mein Pullover war schon seit einigen Tagen mein fester Begleiter.

Wir waren gerade auf dem Weg zum Anleger, dort hatten wir zu viert ein Boot liegen. Kein großes Boot, es war eigentlich auch nur Platz für 6 Leute, alles andere war nur ein Gestapel, hatten wir mal versucht, war eine doofe Idee.

Die Sonne war, wie gesagt nicht warm, aber immerhin kaum Wolken und vorallem kein Regen. Unser Boot hatten wir nach einem Legobausatz benannt. 60215-FWS , ein toller Name, es ist die Feuerwehrstation, schliesslich sind wir alle Feuerwehrleute und irgendwann hat René ein Legoset mit zur Wache gebracht um sich das Warten auf einen Einsatz zu verkürzen. Er hat uns irgendwann damit angesteckt, nun bauen wir fast alle. Albern und kindisch? Ja, ja, vielleicht ist es das, aber auch beruhigend und man kann es auch mal liegen lassen.

Der Tag verging in einem entspannten Fluss, irgendwie war alles Beruhigend. Wir hatten ein paar Bier zugegeben und die Weser ist nunmal kein reiner blauer Fluss, sondern Norddeutschtrüp. Hin und wieder sahen wir ein paar Fische an unserem Boot vorbei huschen, keiner von uns hatte Ahnung von Fischen, also haben wir immer nur „ da, da ist noch einer !“ gerufen, wenn wir einen gesehen haben.

Es war seltsam, irgendwann kamen mir die Rufe vor, als würden sie immer im gleichen Abstand erfolgen und irgendwann traute ich mich nicht mehr zu sagen,wenn ich einen Fisch sah, bis ich einen ganz großen sah. Ich rief, wie aus der Pistole geschossen, „ da, ein Koi-Hai !“ ohne meine Worte in Frage zu stellen, wechselten alle ihre Plätze auf meine Seite des Bootes, aber da war er schon weg.

Dies geschah auch bei unserem nächsten Ausflug, nur nannte ich ihn dieses mal anders, ich rief „ dort ist der Killer wieder!“, wies auf trübe Wasser und merkte schon im selben Moment, das der Fisch fort war.

Angesport den Fisch auch mal zu sehen, fingen meine Kollegen an im Internet nach Fischarten in der Weser zu suchen, doch nichts von den Ergebnissen konnte ich mit dem gesehenden vergleichen, irgendwie waren die alle anders. Meine Kumpels meinten, ich bilde mir nur Unterschied ein, sicher wären das nur leichte Farbmuster differenzen, mehr nicht.

Bei einem Einsatz passierte dann das Unglaubliche. Timon und ich waren im dritten Stock und er Rief: „ Fisch!“ über Funk kam direckt die Frage, was los sei und er antwortete „ Nicht wichtig, macht weiter!“

Ich sah kein Aquarium, der Raum war voller Qualm und warm vom Feuer. Ich kam drüber hinweg ihn zu fragen, was das sollte.

Am Abend beschloss ich mir ein warmes Bad einzulassen, einfach noch eine Runde zu entspannen. Irgendwas lag in der Luft, als wäre ich nicht allein,manchmal habe ich so ein Gefühl und es war auch okey, ich tat es immer als Feuerwehrmann-problem ab, das man immer nah etwas sucht um es zu retten.

Endlich in der Badewanne liegend, war dann alles vorbei. Ich sah den Fisch in meiner Badewanne, mein Herz raste, es klopfte bis in meinen Kopf und mein Blut tat weh. Noch bevor ich nachdenken konnte sprang ich hoch aus dem Wasser und verlies die Badewanne, aber da war nichts. Das Badewannenwasser tobte wie das Meer bei einem Sturm und der Schaum in der Wanne war die Gischt des Todes. Neugier und Angst etwas in dem Wasser zu sehen vermischten sich und machten mich rasent, rasent vor …. ich weiss nicht was es war, es war ein drang zu erfahren, was ich da gesehen hatte. Mein Badetag hatte sich damit erledigt, ich wickelte mir ein Handtuch um und lies das Wasser ablaufen.

Ich musste Timon fragen, was er da gesehen hatte, ich schrieb ihm also über mein Smartphone an. Erstaunlicher weise war seine Antwort ehrlich, nicht das er ein unehrlicher Typ wäre, nein im Gegenteil, allerdings traut sich nicht jeder zu sagen, dass er einen Fisch im Qualm der Wohnung gesehen hatte und aus Reflex `Fisch´ gerufen hatte, wie er es sonst auch tat, wenn er ein Fisch sah.

Angesport von seiner direkten und ehrlichen Art und dem erstaunlichen Glauben, er könnte recht haben, was totaler irrsinn war, schrieb ich ihm von meinem Badeerlebniss. Seine Antwort belief sich auf „ das ist ja Grusselig!“

Wir hörten nicht auf Fisch zu rufen, wenn wir einen sahen. Allerdings sind meine Augen nun neugieriger, wenn sie das Wasser nach Fischen absuchen und ein wenig nervös beim Baden, denn ich glaube nicht, das ich mir was eingebildet habe.Im Gegenteil, ich glaube es war irgendwas zwischen Real- und Geisterwelt. Manchmal glaube ich den Hai/Koi noch zu sehen, an ungewöhnlichen, wie an gewöhnlichen Orten, wie ein Blatt im Wind, unbestimmt und vertraut zugleich.

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